Vielen Dank an Freya Haase für das Foto! Das mittlere Meerlie sucht noch ein Zuhause. Bei Interesse bite eine Email an mich oder Kontaktaufnahme über Facebook.
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Meerschweinchen

Das Trockenfutter-Dilemma

Meerschweinchen sind sehr beliebte Haustiere und um zu verstehen, warum gerade sie die Wiesenfütterung brauchen, muss man auf die Geschichte der domestizierten Meerschweinchen eingehen.
Meerschweinchen stammen höchtwahrscheinlich nicht von dem gemeinen Meerschweinchen (Cavia aperea), sondern vom Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii) ab. Dieses bewohnt bergige Regionen in den Anden Südamerikas. Dort herrscht feuchtes Klima und die Meerschweinchen erfreuen sich am dichten Grasland, buschreichen Grasflächen und Wäldern, in denen sie Laufpfade anlegen und nach herzenslust schlemmen können.
Das Tschudi-Meerschweinchen wurde 5000-2000 v.Chr. von dort lebenden Menschen domestiziert und als Nahrung genutzt. Ernährt wurden diese Meerschweinchen dann meist durch dort wachsende Gräser, Reste der Getreideherstellung, Maispflanzen, Mais und Küchenabfällen. Das domestizierte Meerschweinchen hat sich also auch körperlich an uns und unsere Fütterung angepasst. Nun ist es aber falsch zu denken, dass doch dann das Trockenfutter die richtige Ernährung sei. Dieses wird hier erst seit wenigen Jahrzehnten angeboten und das Meerschweinchen hatte somit wenig Zeit, sich von einer größtenteils von frischem Grün dominierten Ernährung, zu einer rein körnerhaltigen und trockenen Ernährung anzupassen.

Das Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) sieht dem Tschudi Meerschweinchen sehr ähnlich. Quelle: Petra Karstedt auf wikipedia.de
Das Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) sieht dem Tschudi Meerschweinchen sehr ähnlich. Quelle: Petra Karstedt auf wikipedia.de

Hinzu kommt, dass das Trockenfutter für Meerschweinchen dem Futter für Mastkaninchen gleicht. Es ist also anzunehmen, dass dies einfach übernommen wurde. Nun ist das Problem ähnlich wie bei Kaninchen. Mastkaninchen werden kurze Zeit gemästet, um sie dann so schnell wie möglich schlachten zu können. Langzeitfolgen dieser Fütterung sind daher gar nicht abzusehen. Man kann seine geliebten Haustiere nicht mit Mastkaninchenfutter füttern, in der Annahme sie so lange wie möglich gesund zu halten. Eine Enttäuschung seitens des Meerschweinchenhalters ist hier vorprogrammiert und zeigt, warum man sich intensiver mit der Ernährung seines Meerschweinchens beschäftigen muss.

Ein junges Meerschwein wird in die Gruppe aufgenommen. Danke an Marina Faller.
Ein junges Meerschwein wird in die Gruppe aufgenommen. Danke an Marina Faller.

Das Tschudi-Meerschweinchen und seine domestizierten Verwandten

Wie oben beschrieben leben wilde Tschudi-Meerschweinchen in bergigen, feuchten und sehr von Gräsern dominierten Landschaften, was sich auch bei der Ernährung zeigt. Anders als Kaninchen ernähren sich Meerschweinchen vorwiegend von Gräsern und dazu nehmen sie noch Wildkräuter, Rinde und Laub auf. Dabei leben sie in Bauten mit mehreren Eingängen und bahnen sich tagsüber auf der Suche nach saftigem Futter Trampelpfade durch das Grasland.
Hier können sie, wie Kaninchen, auch nicht allzu wählerisch sein, da ihr Suchradius begrenzt ist. Allerdings zeichnet sich die Vegetation in ihrem Lebensraum durch Kargheit aus, wodurch sie sich größtenteils von Gräsern ernähren müssen. Auch ihre Körperform ist eher dazu geeignet, sich einfach von den um sie herum wachsenden Pflanzen zu ernähren, als Männchen machend Laub von tiefer hängenden Ästen zu nagen. Es ist also anzunehmen, dass Tschudi-Meerschweinchen verschiedene Gräser, aber auch einiges an Kräutern und Laub vertilgen, wahrscheinlich aber auch die Rinde am Fuß von Gehölzen abnagen und hin und wieder Früchte und Wurzeln.
Das Hausmeerschweinchen auf der anderen Seite wird seit jeher mit saftigem Gemüse und Resten von der Getreideernte, also den Halmen ernährt. Obwohl das natürlich sehr viel nährstoffreicher ist, ist es auch reich an sekundären Pflanzenstoffen, wie Karotin, Vitaminen und Wasser. Hier muss man aber wieder betonen, dass diese Tiere zur Fleischgewinnung dienten, eine Gewichtszunahme also durchaus erwünscht war.

Hausmeerschweinchen beim Grasen. Vielen Dank an Viola Schulz von der Schweinebande.
Hausmeerschweinchen beim Grasen. Vielen Dank an Viola Schulz von der Schweinebande.

Die Meerschwein-Verdauung

Da Meerschweine in ihrer Heimat viel zellulosehaltige Nahrung zu sich nehmen, hat sich auch der Verdauungstrakt darauf spezialisiert. Als Nagetiere haben Meerschweinchen ständig nachwachsende Nagezähne, die sich mit Hilfe dieser zellulosehaltigen Nahrung perfekt abschleifen. Mit Trockenfutter oder Brot geschieht dies nicht, da sich diese während des Kauens mit Hilfe des Speichels aufweichen und so nicht zur Abnutzung der Zähne beitragen.

Die karge Nahrung gelangt in den Stopfmagen und wird nicht weitertransportiert, wenn nicht ständig Nahrung nachkommt. Gräser und Wildkräuter sind dafür ideal, weil sie viel Pflanzenmaterial bieten ohne Energie zu enthalten, zumindest nicht in nennswerten Mengen.
Als Pflanzenfresser haben Meerschweinchen auch einen extrem langen Dünndarm, den die Nahrung dann passieren muss, bevor sie in den Blinddarm gelangt. Dort warten schon bestimmte Bakterien auf den Nahrungsbrei, um ihn zu zersetzen und aus den Ausgangsstoffen lebenswichtige Stoffe zu synthetisieren, wie zum Beispiel B-Vitamine. Wird nun zu viel stärke- oder zuckerhaltige Nahrung angeboten, ändert sich der pH-Wert, die Bakterienzusammensetzung ändert sich negativ und die Nahrung kann nicht mehr richtig aufgeschlossen werden. Geschieht dies aber nicht, wird bestimmter Kot ("Blinddarmkot") in diese Stoffe gehüllt, ausgeschieden und wieder gegessen, um ihn vollends zu nutzen.

Auch hier ist also eine gut zusammengestellte Futterschüssel enorm wichtig, um die Gesundheit des Schweins zu erhalten.

Bambus ist ein exzellentes Winterfutter für Hausmeerschweinchen. Vielen Dank an Tina Meerie.
Bambus ist ein exzellentes Winterfutter für Hausmeerschweinchen. Vielen Dank an Tina Meerie.

Wiesenfütterung für Meerschweinchen

Hier zeigt sich nun, dass Meerschweinchen eigentlich sehr genügsame Pflanzenfresser sind, die man leicht gesund und zufrieden stellen kann. Mit stärke- und zuckerhaltiger Nahrung können Meerschweinchen ihre Zähne nicht richtig abnutzen und die Verdauung kann ihre Arbeit nicht tun, was sich nachteilig auf die Gesundheit des Meerlies einwirkt. Ihr Verdauungssystem ist immer noch auf kärgere pflanzliche Ernährung eingestellt, wenn sie auch mehr Gemüse vertragen als Kaninchen.
Gerade im Sommer kann man Meerschweinchen extrem einfach mit Wiese füttern, da sie größtenteils Gräser verlangen. Diese wachsen auf jeder Wiese in großen Mengen und so lange man viele verschiedene pflückt, sind sie gut damit bedient. Sie liefern die benötigten Fasern, Eiweiße und etwas Kohlenhydrate, dazu Wasser um die Tierchen wieder zu rehydrieren. Zusätzlich freuen sich Meerschweinchen auch über viele Kräuter, das Sammeln ist aber nicht so mühselig wie bei Kaninchen, da diese hier nur Beiwerk sind.
Wichtig ist hier, dass sich bei jeder Umstellung der Ernährung der Verdauungstrakt und besonders die Darmflora mitverändern muss, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb sollte man jede Nahrungsveränderung langsam angehen.

Links Zum Thema

Allgemeine Informationen über die artgerechte Meerschweinchenhaltung und -ernährung

Medizinische Informationen über Verdauungsprobleme beim Meerschwein und über die Verdauung

Nicht nur eine Informationsseite zum Thema Meerschwein, sondern auch voller Schmunzler